Heinrich Albertz

Man kann nicht tiefer fallen als in die Hände Gottes. [1]

– Heinrich Albertz 1993
Heinrich Albertz
Heinrich Albertz wird am 22. Januar 1915 in Breslau geboren. Nach dem Theologiestudium wird er Mitglied der Bekennenden Kirche, daraufhin mehrmals verhaftet.
 
Nach dem 2. Weltkrieg kommt Albertz nach Celle, betätigt sich als "Flüchtlingspfarrer" und kümmert sich um die Integration der Menschen, die ihre Heimat verloren haben. Zusätzlich zu seinem politischen Engagement übernimmt er von 1949 bis 1965 den Bundesvorsitz der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der ihn auch manchmal nach Salzgitter führt.
 
Nachdem er 1948 Minister für Flüchtlingswesen und Soziales in Niedersachsen wird, geht Albertz 1955 nach Berlin, wird 1959 unter Willy Brandt Chef der Senatskanzlei und schließlich 1961 Innensenator. Als einer der engsten Berater von Willy Brandt gilt er als einer der Väter der Entspannungspolitik. Mit der Wahl zum Regierenden Bürgermeister Berlins im Jahre 1966 geht Heinrich Albertz‘ politische Karriere zu Ende. Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg bei einer Schah-Demonstration führt zu einem totalen Bruch mit seiner bisherigen politischen Tätigkeit.
 
Heinrich Albertz tritt 1967 zurück und geht von 1970 bis 1979 als Pastor in die Gemeinde Berlin-Schlachtensee. In den folgenden Jahren setzt er sich insbesondere für die Friedensbewegung ein, sucht den ständigen Dialog mit der Jugend, die bei seinen Auftritten und Vorträgen – nicht nur auf Kirchentagen – große Säle füllt. Immer wieder gerät er als unbequemer Zeitgenosse, mit dem 1. Gebot als Leitsatz, in die Schlagzeilen, wenn er sich etwa als Geisel bei der Lorenz-Entführung zur Verfügung stellt oder mit inhaftierten RAF-Häftlingen Gespräche führt. Für ihn steht immer der Mensch im Vordergrund und es wird „warm in der Kirche, wenn Heinrich Albertz predigt, und die Hörer bekommen nicht nur etwas zu denken, sondern auch zu spüren“ (Karnetzki 1997 [2]).
 
Am 18. Mai 1993 stirbt Heinrich Albertz in einem Altenheim der AWO in Bremen.

[1] Wir dürfen nicht schweigen. Heinrich Albertz. Kindler 1993, S. 191
[2] Nähe ist zugelassen. Manfred Karnetzki in: Heinrich Albertz. Jacques Schuster, Berlin 1997, S. 13